Die beiden hochmusikalischen jungen Männer Lionel und David lernen sich im Schatten des Ersten Weltkrieges in einer Musikkneipe kennen, werden ein Paar und wandern einen Sommer lang durch das ländliche Amerika von vor über hundert Jahren, um Balladen, Songs und Melodien aufzuzeichnen. All das soll vor dem Vergessen bewahrt und mit Hilfe von Wachswalzen in … Ben Shattuck: Die Geschichte des Klangs weiterlesen
Die beiden hochmusikalischen jungen Männer Lionel und David lernen sich im Schatten des Ersten Weltkrieges in einer Musikkneipe kennen, werden ein Paar und wandern einen Sommer lang durch das ländliche Amerika von vor über hundert Jahren, um Balladen, Songs und Melodien aufzuzeichnen. All das soll vor dem Vergessen bewahrt und mit Hilfe von Wachswalzen in einem sogenannten Phonographen festgehalten werden. Beide erleben einen unvergleichlichen Sommer voll von Intensität und Sorglosigkeit, doch dann verschwindet David plötzlich. Die Walzen fallen viele Jahre später einer jungen Frau beim Aufräumen ihres neuen Hauses in die Hände. Sie nimmt Kontakt zu der Ehefrau Davids auf und die Liebe klingt erneut nach. Lionel erklärt als 84jähriger Mann, dass David die Liebe seines Lebens war. Alles, was er von seinem Freund noch hatte, hat er ein Leben lang aufbewahrt. 100 Seiten kurz ist dieser poetische, melancholische Roman, in dem sehr viel Unausgesprochenes zwischen den Zeilen mitschwingt. Unaufgeregt, ruhig, ganz ohne Pathos erzählt er von einer Liebe, die erst nach ihrem Ende als vollkommen erkannt wurde. Das offene Ende des Buches hallt noch lange nach und lässt Platz für eigene Deutungen. Ben Shattuck ist für mich eine beglückende literarische Entdeckung, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte (ein persönlicher Tipp von Petra Schulz). Übersetzt aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren.
