Markus Orths: Die Enthusiasten

Was für ein Feuerwerk an Ideen, Wortspielen, schrägen Figuren und rasanter Handlung! Ein Feuerwerk aus Liebe zur Literatur! Sie merken schon, dieser Roman hat mich restlos begeistert. Markus Orths ist hier eine turbulente Geschichte gelungen, die mitreißend erzählt und sprachlich die reinste Freude ist. Meisterhaft führt er uns Leser*innen in die Irre und flicht das … Markus Orths: Die Enthusiasten weiterlesen →

Markus Orths Die Enthusiasten GlockenbachbuchhandlungWas für ein Feuerwerk an Ideen, Wortspielen, schrägen Figuren und rasanter Handlung! Ein Feuerwerk aus Liebe zur Literatur! Sie merken schon, dieser Roman hat mich restlos begeistert. Markus Orths ist hier eine turbulente Geschichte gelungen, die mitreißend erzählt und sprachlich die reinste Freude ist. Meisterhaft führt er uns Leser*innen in die Irre und flicht das eigene Schreiben auf einer zweiten Ebene mit ein.

Doch worum geht es eigentlich? Hauptprotagonist und Ich-Erzähler Vincent Bär, von seinen Wissenschaftskolleg*innen auch liebevoll „Dr. Shandy“ genannt, ist Literaturdozent und Laurence Sterne-Experte. Zum 250. Todestag des Autors, der mit seinem neunbändigen Werk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ das Genre des Romans revolutionierte, reist Vincent mit drei anderen Sterne-Anhänger*innen nach Coxwold an das Grab ihres Idols. Alle drei erreicht dort die Nachricht eines mysteriösen Morton Minellis, der doch glatt behauptet, einen zehnten Band von Tristram Shandy im Original zu besitzen! Und die irrwitzige Jagd nach dem literarischen Schatz beginnt. Unterwegs erzählt uns Vince immer wieder von seiner Familie, die Eltern so buchverrückt, dass sie für ihre Unmengen an Büchern sogar eine eigene Zwischendecke einziehen, die nach Bedarf heruntergelassen werden kann. Die Mutter verschwindet spurlos (was wäre eine Heldenreise ohne einen schmerzhaften Verlust in der Kindheit), der Vater fordert die Kinder tagtäglich heraus, aus der gewohnten Ausdrucksweise auszubrechen (Aus „Kann ich aufstehen?“ wird so z. B. „Dürfte mein Gesäß dem Polster entschweben?“) und Vince’ Geschwister frönen zwar nicht der Literaturwissenschaft, stecken aber all ihre Leidenschaft in andere ganz und gar alltagsuntaugliche Metiers. Das Ende der Geschichte ist fulminant und stellt alles bis dahin ge- und erlesene auf den Kopf, aber bitte, ergreifen Sie diesen Kosmos aus wimmelnden Lettern zwischen zwei Pappdeckeln mit ihren manuellen Werkzeugen und überzeugen sich selbst 😉