Lion Christ „Sauhund“

„Und jetzt bin ich eben hier, Zeit wurde es, gell, auf mich habt ihr gewartet!“ Mit diesen Worten schmeißt sich Flori im Jahr 1983 in die nächtliche Münchner Clubszene, nachdem er aus Wolfratshausen geflüchtet ist – vor seinen Eltern, vor einem langweiligen Kaufhausjob und seiner ersten großen Liebe, dem Schreinersohn Georg mit eigenem blauen Kadett. … Lion Christ „Sauhund“ weiterlesen

„Und jetzt bin ich eben hier, Zeit wurde es, gell, auf mich habt ihr gewartet!“ Mit diesen Worten schmeißt sich Flori im Jahr 1983 in die nächtliche Münchner Clubszene, nachdem er aus Wolfratshausen geflüchtet ist – vor seinen Eltern, vor einem langweiligen Kaufhausjob und seiner ersten großen Liebe, dem Schreinersohn Georg mit eigenem blauen Kadett. In München kann er endlich der sein, wer er wirklich ist und sich bis in die Ohnmacht in der schwulen Subkultur ausleben. Flori ist ein Träumer, ein Schelm, ein Taugenichts, der sich nach dem Scheinwerferlicht sehnt. Schütteln möchte man ihn, gleichzeitig umarmen und sagen „Alles wird gut, du musst das nicht machen“ und so manches Mal möchte man dem „Sauhund“ echt eine g´waschene Watschn verpassen, was den Umgang mit seinen Mitmenschen angeht!

Aber feiern kann er, das muss man ihm lassen, und so begleiten wir Flori in die berühmt-berüchtigte und schillernde Nachtwelt im Glockenbachviertel, ins Henderson und an den Holzplatz, während AIDS schon um sich greift, aber noch als „nur“ ein amerikanisches Phänomen wahrgenommen wird.

Der bayerische Akzent in den Dialogen gibt dem Debütroman einen frechen Monaco-Franze-Charme, der wunderbar zu so einem Lauser wie dem Flori passt, und das queere Leben in der bayerischen Landeshauptstadt zu Zeiten des § 175 gleichzeitig gelungen kontrastiert. Wer sich also für ein Stück queerer Münchner Zeitgeschichte mit viel Lokalkolorit interessiert und dabei gekonnt unterhalten werden möchte, sollte sich mit dem „Sauhund“ pudelwohl fühlen.

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